zum Inhalt springen

Die junge Künstlerin hat wohl ein Gesicht gemalt. 
Gesicht zeigen – dies ist uns wichtig. 

Gesicht zeigen

Didaktik widmet sich dem Lehren und Lernen und ist für Lehrende der Kern von berufsbezogenen Studien und späterer beruflicher Tätigkeit. Didaktisches Denken ist für Sie elementar. Eine grundlegende Frage  des didaktischen Denkens von Lehrenden ist, ob sie sich ihrem Selbstverständnis nach als KünstlerIn oder als TechnikerIn verstehen, Lehren in seiner Vielfalt also als Ausdruck von Lehrkünsten oder Anwendung von Lehrtechniken deuten.

Mit der Lehrkunst verbindet sich die Person und Einmaligkeit der didaktischen Situation. Nie wird Unterricht demnach jemals einmal gleich sein, nur immer ähnlich möglich bleiben. Mit der Lehrtechnik verbindet sich der Verstand (Ratio) und seiner Gültigkeit für alle ähnlichen Situationen. Unterricht ist demnach in den Grundstrukturen vorher zu sehen, beherrschbar und erfolgreich zu steuern. Bei der Lehrkunst sind die Lehrenden gewissermaßen die Schöpfer eines individuellen Werkes, bei der Lehrtechnik sie die Lehrenden ein Werkzeug der Vernunft. Die Vernunft fragt nicht nach, wer sie zur Geltung bringt. Es kommt darauf an, ohne Ansehen der Person das Richtige zu tun. Die Lehrkunst wird dagegen nur im Angesicht der Person sinnvoll und für andere sichtbar.

Daher: Gesicht zeigen, Person sein im Unterricht ist Ausdruck unseres didaktischen Selbstverständnisses. Dies ist uns wichtig. Und wir wünschen es Ihnen.

(aus der Antrittsvorlesung: Beispielen - Irritierende Erinnerungen für fachdidaktisches Denken. Köln 2003)